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Humor und Denken

Ein bisschen Selbstironie HIER

Denken und Humor vertragen sich sehr gut.

Ein Beispiel hier (aus Noosomatik Bd.I):

19.Kapitel: Die kaputte Kaffeemühle

Ein Beitrag zur Kommunikationsforschung

3.19.1. Wir können nur das intendieren, was wir selbst machen können. Dazu zählt: Handeln bis zur physischen Grenze unseres Könnens, Denken bis zur Grenze unserer geistigen Möglichkeiten und die Produktion von gedachten Gefühlen (wie Sorge, Trauer usw.).

Genuine Gefühle (wie Annahme und Hingabe, die beiden Seiten der Liebe) sind nicht "machbar", sie sind Effekte innerer Befindlichkeit des Individuums. Unsere Physiologie lässt sie nur zu, wenn wirklich keine Gefahr besteht.

Treffen unterschiedliche Intentionen unterschiedlicher Individuen aufeinander, oder wirken sie miteinander, entstehen Effekte, die vom einzelnen nicht herstellbar sind und von der Gemeinschaft jedoch auch nur gegebenenfalls erwünscht sein können.

Effekte finden sich immer dort, wo Intentionen unterschiedlicher Herkunft sich begegnen. Umgangssprachlich wird Effekt auch das genannt, was bewusst und-/oder unbewusst von einem Individuum als Ziel seiner Intention betrachtet wird; d.h.: Das Wort "Effekt" kann als Etikett für Sachverhalte benutzt werden, die es nicht "verdienen".

Die subjektive Selbsteinschätzung eines Individuums gaukelt vor, ein erwünschter Effekt sei Folge persönlicher Intention und damit Produkt eigenen Wollens.

Dieser Blick auf die Realität grenzt wesentliche Tatbestände in ihr aus, er ist Folge des "Monokel-Syndroms" ("Das seh' ich nicht so"; siehe auch Noosomatik Bd.V <8.7.1.3.>,S.335), der Anwendung einer Kausalsynthese ("wenn, dann ...") zur Höherwertung eigenen Verdienstes und eigener Würdigkeit.

Beispiel:

      Ich möchte Kaffee mahlen, doch an der Mühle ist eine Schraube locker, weil dieser eine Mutter fehlt.

      Da ich gerne Kaffee mahlen möchte und sogar eine passende Mutter zur Verfügung habe, repariere ich das kleine Malheur, führe anschließend Energie zu und starte den Anlasser, um die eingefüllten Kaffeebohnen mahlen zu lassen. Ergebnis meiner handwerklichen Kunst: Die Mühle tut, was sie soll, sie tut, wozu sie sich in meinem Haushalt befindet.

      Die Aussicht auf baldigen Kaffeegenuß hebt antizipatorisch meine Stimmung***.

Das "Monokel-Syndrom" meint nun: "Du bist ein toller Kerl. Deine Tätigkeit (Intention) wirkte dies Ergebnis (diesen Effekt)."

Trotz dieser angenehmen Wertschätzung (durch Identifizierung von Person und Verhalten, was die ihr folgende Verwechslung ermöglicht) riskieren wir einen Blick auf die Wirklichkeit:

Das erwünschte Ergebnis ist Folge von Tätigkeiten (Intentionen) anderer Beteiligter:

    - Elektrikerin (Steckdose ist vorhanden)

    - ggf. Malerin (Tapete ist vorhanden)

    - Maurerin (zur Vorbereitung des Ortes der Steckdose)

    - Architektin (für die Planung des Hauses und seiner Wände und damit der Möglichkeit, einen Ort für die Steckdose zu haben)

    - Statikerin (damit Wände und Decken den Ort der Steckdose schützen)

    - Bank (für die Finanzierung des Ortes für die Steckdose)

    - und all die Menschen, die zur Beschaffung des Baumaterials beigetragen haben

    - Herstellerin der Steckdose

    - Herstellerin der Kaffeemühle selbst, nicht zu vergessen

    - das E-Werk und die Überlandleitungen

    - die jahrhundertelange Entwicklung des wissenschaftlichen know how's

    - Lehrerinnen und Ausbilderinnen

    - usw.

    - (und das ganze noch mit dem männlichen Geschlecht!)

    - und nicht zuletzt der merkwürdige Zufall des Zusammenhangs von Zeugung und Geburt all jener Menschen, von mir ganz zu schweigen...

Welcher Effekt war's gleich noch, den ich intendiert gewollt haben wollte?

Begrenzen wir unseren Blick auf die Wirklichkeit des Augenblicks, ohne die causalen Zusammenhänge, also nur auf die situative Ermöglichung des Kaffeegenusses, beobachten wir drei Tatbestände:

1. meine Reparatur

2. das "ansonstige" Heilsein (?) der Kaffeemühle

3. Stromzufuhr

Bereits dieser Blick lehrt uns, ich kann das Meine intendieren und vertraue dann darauf, dass andere das Ihre dazu beitragen, dass die Kaffeemühle mahlt.

Wir nennen umgangssprachlich bereits Effekt, was sich als bestätigtes Vertrauen erweist. Doch gerade dadurch, dass unser Alltag wesentlich auf Vertrauen basiert, verlieren wir routiniert diese wegen ihrer Selbstverständlichkeit aus dem Blick. Nur wenn das Erwünschte nicht eintritt, bemerken wir die Beteiligung anderer, die wir dann einer Wertung unterziehen können.

Die Schuldfrage stellt sich nicht nur bei einem Verkehrsunfall, sondern findet sich wie aus wolkigem Himmel kommend "ur-plötzlich" ein.

Doch auch die Schuldfrage will intendiert sein, ehe sie auftaucht; sie ist das, was wir mit dem Denken machen können. Wird die nämlich nicht gestellt, tritt sie nicht einmal als zufälliger Effekt auf!

Wenn Nichterwünschtes eintritt, haben wir die Möglichkeit, die Ursachen zu analysieren, also den Zusammenhang denkerisch zu verarbeiten, um darüber innerlich bewegt zu werden, die Bedingungen der Wirklichkeit zu finden, um doch noch zum erwünschten Ergebnis zu gelangen, falls alle Beteiligten angemessen daran mitwirken wollen - oder den Wunsch eben auch fallen lassen zu können.

Diesen beschriebenen Vorgang können wir abstrakt in ein Modell bringen:

Erst die von mir intendierte Selbstannahme, inklusive das Wissen, wie eine Mutter auf eine Schraube zu drehen ist, führt zu dem Effekt der Selbstwahrnehmung, selbst die Reparatur vornehmen zu können.

Dann beobachte ich, dass die Kaffeemühle außerhalb von mir existiert (nicht nur in meiner Vorstellung), und dass ich sie zwecks Reparatur in die Hand nehmen muss: Annahme von Nichtselbstigem muss nun von mir intendiert werden. Der nun effizierte Umgang mit der Kaffeemühle bringt einen Effekt: genau diese Umgangserfahrung in der Situation einer von mir intendierten Reparatur.

Mit Hilfe blitzschnellen verarbeitenden Verstehens, dass mein Handeln den Kaffeegenuß näher rückt dadurch, dass die Mühle heile (?) wird, empfinde ich den inneren Drang ( Motivation), die Bedingungen ordnungsgemäßen Funktionierens sinnvoll zu erfassen (conditio ordinis), und ich erkenne das Erfordernis, das als Effekt vor meinem inneren Auge erscheint: richtige Mutter an richtigem Ort, Maschine intakt.

Bringen wir das Modell in ein ordentliches Diagramm:

3.19.2. Das noologische Kommunikationsmodell

Verwechslungsebenen per effectum per intentionem

Person/Sache Selbstwahrnehmung Selbstannahme

Inhalt/Form Umgangserfahrung Annahme von Nichtselbsti-
gem

Wert/Stärke Motivation Verarbeitendes Verstehen

Wesen/Wirklichkeit Erfordernis conditio ordinis (Erkenntnis
eines Ordnungsprinzips)

3.19.3. Doch nicht nur die Kommunikation mit einer Kaffeemühle folgt diesem Modell, sondern überhaupt jede Kommunikation.

Begrenzen wir uns in der weiteren Beobachtung auf die Kommunikation zwischen einem Menschen A (womöglich männlich: also Adam) und einem Menschen B (womöglich weiblich: also Berta).

Adam möchte Berta mitteilen, dass er (Adam) eine Kaffeemaschine repariert hat. Beschreiben wir diesen einfachen Vorgang und setzen voraus, dass er ohne Störung verlaufe.

Adam definiert diese Mitteilung als Folge einer Tätigkeit, also seines Verhaltens (also sachbezogen) und nicht als Selbstwertaussage (personenbezogen). Um die Sache der Information Berta mitzuteilen, bedarf es erst einmal der Realitätsprüfung. Diese ergibt: Adam kann sich genau erinnern, dass er eben die Kaffeemühle repariert hat und dass sie funktioniert. Gleichzeitig weiß er, dass Berta mit dieser Information etwas anfangen kann und möchte.

Adam hat sich also entschieden, zwischen sich und Berta zu unterscheiden, nämlich sich mit seinem Wissen anzunehmen, und sich in der Beziehung zu Berta im Hinblick auf die Reparatur so wahrzunehmen, dass Berta hier eine Informationslücke hat.

Die Annahme von Berta (als Nichtselbstiger) führt nun zur Umgangserfahrung als Effekt, wenn Berta aufmerkt!

Adam setzt sein Denken zur sprachlichen Formulierung (verarbeitendes Verstehen) ein und erlebt die innere Bewegung (Motivation) zur Informationsweitergabe, um dann in einer für Berta verständlichen Sprache (conditio ordinis) die Sache mitzuteilen.

Der Effekt dieser Mitteilung folgt dem Erfordernis auf dem Fuße sozusagen: Jeder entscheidet nun für sich, ob er Kaffee trinken möchte, was von Bedeutung für die Menge der Kaffeebohnen ist, die in die Kaffeemühle gegeben werden soll.

Bei Berta läuft parallel Gleiches ab: Die von Berta intendierte Selbstannahme führt zur Wahrnehmung ihrer Beziehung zu Adam. Ihre Selbstwahrnehmung ist durch die Anwesenheit von Adam eine andere geworden (im Vergleich zu ihrem vorherigen Alleinsein).

Die Annahme von Adam durch Berta führt nun bei Berta zur Erfahrung, dass Adam ihr etwas mitteilen möchte. Berta intendiert nun die Wachsamkeit und Konzentration des Hinhörens, was zum Effekt der Bereitschaft (im Verein mit dem Mitteilungsbedürfnis von Adam) führt (Motivation), das zu Hörende auch aufzunehmen, wobei Berta die Sprachbedingung intendiert (sie haben bisher deutsch miteinander geredet, so wird es wohl auch jetzt sein, selbst wenn Berta gerade ein englischsprachiges Buch liest).

Nach Empfang der Information kann Berta entscheiden, ob sie jetzt oder erst später die reparierte Kaffeemühle in Anspruch nehmen möchte.

Störungen dieses kommunikativen Prozesses können z.B. folgende sein:

Adam meint, seinen Wert als Person durch die Reparatur erhöht zu haben. Die sachliche Mitteilung wird zur Bitte um Applaus. Berta kann dieser Intention folgen, muss sie aber nicht.

Berta könnte ihrerseits Wertabbau betreiben und deutlich auf die Geringfügigkeit der Reparatur hinweisen.

Der weitere Verlauf eines solchen Gespräches fällt unter die hochinteressante und wissenschaftlich noch nicht ausreichend untersuchte Rubrik der "Communicatio Loriotica" .

Eine andere Art Störung kann über die Verwechslung von Inhalt und Form eingebracht werden: Adam kann die Information in depressiv-leidende Form kleiden als dezenten Hinweis darauf, ihn nie wieder zu solch belangloser Tätigkeit heranzuziehen. Dieser Intention kann Berta folgen, muss sie aber nicht.

Berta könnte ihrerseits die Form der Mitteilung zum Thema machen, z.B. durch Generalisierung ("immer ...")

Die Fortsetzung des weiteren Gesprächs führt zu einer Kommunikation des Typs "So iss' es" (Lipp'sche Kommunikationsform) mit entsprechend auftretender Langeweile.

Eine weitere Störung, höherer Art, kann über die Verwechslung von Wert und Stärke eingebracht werden: Adam identifiziert seinen Wert mit der Wirksamkeit der Reparatur der Kaffeemühle. Berta kann diese Intention annehmen ("Ist ja stark!"), muss aber nicht.

Berta könnte ihrerseits auf der gleichen Ebene kontern mit Hinweis auf eine Reparatur eines größeren Gerätes.

Der weitere Gesprächsverlauf entzieht sich unserer Kenntnis, da solches Kontern zum Abbruch der Kommunikation dadurch führt, dass die Motivation sofort erschöpft ist (bei Adam auf jeden Fall).

Die dramatischste Form einer Kommunikationsstörung geschieht auf der Ebene der Verwechslung von Wesen und Wirklichkeit:

Adam müsste dazu die Wirklichkeit seiner banalen Reparatur mindestens für das Wesen der Funktionstüchtigkeit der Kaffeemühle als Ganzes ausgeben ("Das war ein hartes Stück Arbeit"), wenn nicht gar dem Zentrum des Wesens der partnerschaftlichen Beziehung zugehörig ("Jetzt kann der Haussegen doch nicht mehr schief hängen"). Berta kann nun diesen von Adam intendierten Kniefall praktizieren, muss sie aber nicht.

Berta könnte ihrerseits auf der gleichen Ebene entgegnen, dass sie auf diese Reparatur "weiß Gott" lange genug gewartet habe.

Diese jetzt beschriebene Störung hat den Vorteil, dass sowohl bei Adam wie auch bei Berta die Schuldfrage zuungunsten des Anderen geklärt ist, und sowohl Adam wie auch Berta sich als "AsüKl" (arme süße Kleine) betrachten können.

Auch hier entzieht sich der weitere Verlauf des Gesprächs unserer Kenntnis, da in aller Regel der dynamischere Partner das Zimmer unter Protest verlässt (lautes Türknallen als Mindestäußerung). Ein gemeinsamer Kaffeegenuß entfällt.

Von daher ist es zu verstehen, dass jede Kaffeereklame Familien in paradiesischstem Zustand vorführt, selbst mit Darstellung des Besuchs der sonst anderweitig weniger geachteten Schwiegermutter, wobei deren Lob des guten Kaffees unter Verwechslung von Person und Sache die Annahme der Schwiegertochter wirkt, den Haussegen orientiert und die freundlichste Zukunft eröffnet - und damit den Kaffee als familienförderndes und familienstabilisierendes Element mit hoher Steuer belegt werden kann, was seinen familienpolitischen Wert ebenfalls erhöht (was gut ist, ...).

Alle Störungen beginnen mit der Identifikation der Person mit der Information, die sie mitteilen will, und zielen deshalb auf subjektive Vorstellungen im Hinblick auf den Effekt. Diese Vorstellung kann bewusst und/oder unbewusst sein. Erst die Trennung von Person und Sache lässt in den Blick geraten, dass ein Mensch nur intendieren kann, was ihm machbar ist. Effekte jedoch sind nicht machbar, aber annehmbar!

      Mein Denken macht aus mir nicht erst einen Menschen, ich bin schon einer.

      Meine Information macht aus meinem Gegenüber nicht erst eine Menschin, sie ist es auch schon ohne diese Information.

Zum Ja-Sagen zur Menschlichkeit des Menschen gehört nicht nur der Respekt, der eingefordert werden kann, sondern besonders der, der sich selbst und andern gezollt wird. Dazu gehört der Respekt vor der Andersartigkeit der anderen und gegenüber der Einzigartigkeit einer jeden Person. Dazu gehört aber eben auch die Einsicht in das dem Individuum Machbare. Andernfalls wird der Beitrag des andern als zwangsläufige Folge eigener Intentionen und damit als Unterwerfung unter den eigenen Willen gedacht.

Annahme von Nichtselbstigem beinhaltet das Wissen um die Richtigkeit des Menschseins, unabhängig vom Verhalten oder der Form seiner Existenz.

Öffnung gegenüber Nichtselbstigem beinhaltet das Wissen um die Richtigkeit des Menschseins unabhängig vom Verhalten oder der Form seiner Existenz.

Öffnung gegenüber Sinnerfahrung in der Kommunikation erfordert nicht nur annehmendes Denken (ratio), sondern auch Intelligenz beim verarbeitenden Verstehen, d.h. Wissen um die Begrenztheit eigenen Wissens und die Bereitschaft, Neues dem Fundus des Bisjetzigen hinzuzufügen; also die Bereitschaft, sich auf neue Räume von Erfahrung einzulassen. Das ist eine Frage der Anwendung der Intelligenz!

Erst dann braucht Neues nicht paranoid umgedeutet zu werden, sondern kann die Möglichkeiten des Individuums erweitern, sich angemessen zum Ausdruck zu bringen.

Da kommunikative Prozesse nach dem 4.Schritt der Bewährung ausgesetzt werden können, beginnt danach die Systematik wieder von vorne. Die neue Erfahrung kann dogmatisiert werden zur Festlegung der Bedingungen, unter denen Menschen sich selbst anzunehmen wünschen - oder zur Aufforderung, wie andere sich zu verhalten hätten usw., usw.

Doch der kommunikative Ablauf nach Bewährung kann auch angemessen geschehen durch Anwendung der Kenntnisse der Inhalte (auch des Inhaltes des Modells!).

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